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Das European Narrative
& Europas Wurzeln in Kulturreisen entdecken

(3) Wasser – heilig bei den Griechen …

4. April 2020

Wasser ist heilig,

so die Überzeugung der alten Griechen – besonders die Quelle des klaren, lebensspendenden Trinkwassers stand unter göttlichem Schutz, für dessen Gewährung die Quellnymphen zuständig waren.
Das Bild, das ich heute mit Euch betrachten möchte, zeigt einen antiken griechischen Wasserkrug, eine Hydria, und was wir auf dem edlen Gefäß sehen, ist ein Brunnenhaus. Eine Quelle wurde als lebenswichtige göttliche Gabe fast so aufwendig wie ein Tempel gestaltet: vier Säulen mit dorischen Kapitellen, im damals modischen Stil, tragen ein schwarz-weißes Gebälk. Unter seinem schützenden Dach sprudelt das Wasser aus dem Felsen nicht bloß an einer, sondern an fünf Stellen, und zwar aus künstlerisch gestalteten Wasserspeiern.
In der Regel hat man Wasserspeier als Löwenköpfe gestaltet, hier ist ein solcher aber nur ganz links im Profil zu sehen, die drei in Vorderansicht gegebenen Wasserspeier sind hingegen keinem Tier klar zuzuordnen. 
Der rechte, ebenfalls im Profil sichtbar, ist ein Eselskopf: welch humorvolle und ganz unübliche Idee!
In unserem Brunnenhaus hören wir nicht nur das Plätschern des Wassers, sondern auch fröhliche Stimmen und Gelächter: fünf junge Frauen sind gekommen, um das köstliche Naß zu schöpfen. Sie tragen Gefäße derselben Form wie das vor uns stehende, nämlich Hydrien – für den Liebhaber griechischer Vasen etwas besonderes: die Vase auf der Vase! 
Jede der Frauen ist in einer anderen Position dargestellt: drei befüllen gerade ihre Hydria, eine trägt sie gerade auf dem Kopf weg und eine andere schwatzt lebhaft gestikulierend mit ihrer Nachbarin: was für eine heitere, beglückende Alltagsszene! 
Bei näherem Hinsehen erkennt man außerdem am Hals der Vase ein Wagenrennen: ein Hinweis darauf, wie wichtig den Griechen der sportliche Wettkampf war.
Unsere Hydria wurde vor etwa 2530 Jahren in Athen getöpfert und bemalt, aber nicht für den lokalen Markt, sondern für den Export nach Mittelitalien, wo sie ein Mitglied der etruskischen Oberschicht stolz sein eigen nannte und ins Grab mitnahm.
Dort hat das Stück zweieinhalb Jahrtausende geruht und wurde wohl im 19. Jahrhundert intakt aufgefunden. Später hat es im Museum of Fine Arts in Boston/Massachusetts eine neue Heimstatt gefunden. 
Das Bild kann uns in Zeiten wie diesen erfreuen und ohne Worte so manches über das Wesen des Menschen erzählen.
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*J. S. Bach, das Wohltemperierte Klavier, Teil I, Präludium in C-Dur, gespielt von Huguette Dreyfus auf einem historischen Cembalo (Foto). Wir sind der Künstlerin, einer engen Freundin, verstorben 2017, dankbar für die liebenswürdige Erlaubnis, ihre Aufnahme zu verwenden.